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Was ist der Unterschied zwischen WMS und WCS?

In modernen Lagern kommen immer mehr digitale Systeme und automatisierte Anlagen zum Einsatz. Dabei begegnen Unternehmen häufig den Begriffen WMS und WCS. Beide Systeme unterstützen die Prozesse im Lager, übernehmen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Während ein Warehouse Management System (WMS) vor allem die übergeordnete Steuerung und Verwaltung der Lagerprozesse übernimmt, konzentriert sich ein Warehouse Control System (WCS) auf die Steuerung automatisierter Förder- und Lagertechnik.

2026-09-21 09:48:07

Die Abgrenzung ist besonders wichtig, wenn Unternehmen ihr Lager digitalisieren oder automatisieren möchten. Je nach Aufbau des Lagers können WMS und WCS einzeln oder gemeinsam eingesetzt werden.

Was ist ein WMS?

WMS steht für Warehouse Management System, also Warehouse-Management-System beziehungsweise Lagerverwaltungssystem. Ein WMS dient dazu, sämtliche relevanten Lagerprozesse digital abzubilden, zu koordinieren und zu überwachen.

Dabei verwaltet das WMS unter anderem Informationen zu Artikeln, Beständen, Lagerplätzen und Aufträgen. Es weiß beispielsweise, welche Artikel sich an welchen Lagerplätzen befinden und welche Waren für einen Auftrag benötigt werden. Auf dieser Grundlage können Mitarbeiter gezielt durch die einzelnen Prozesse geführt werden.

Typische Aufgaben eines WMS sind:

Ein modernes WMS kann dabei auch mobile Geräte wie Smartphones oder MDE-Geräte einbinden. Mitarbeiter scannen beispielsweise einen Artikel und erhalten anschließend über das mobile Endgerät die nächste Aufgabe. Dadurch werden Lagerbewegungen direkt digital erfasst und Bestände aktuell gehalten.

Das WMS bildet damit gewissermaßen die zentrale organisatorische Ebene des Lagers.

Was ist ein WCS?

WCS steht für Warehouse Control System, also Lagersteuerungssystem. Im Gegensatz zum WMS beschäftigt sich ein WCS weniger mit der Frage, was im Lager passieren soll, sondern vor allem damit, wie automatisierte Lagertechnik die entsprechende Aufgabe ausführt.

Ein WCS kommt insbesondere in automatisierten Lagern zum Einsatz. Es kann beispielsweise mit Fördertechnik, Regalbediengeräten, Sortieranlagen, Shuttles oder anderen automatisierten Systemen kommunizieren.

Ein Beispiel: Ein Auftrag benötigt einen bestimmten Artikel aus einem automatisierten Hochregallager. Das übergeordnete System gibt den Auftrag an die nachgelagerte Steuerung weiter. Das WCS sorgt anschließend dafür, dass beispielsweise ein Regalbediengerät den richtigen Lagerplatz anfährt, die Ware entnimmt und an die vorgesehene Förderstrecke übergibt.

Zu den typischen Aufgaben eines WCS gehören:

Das WCS arbeitet somit sehr nah an der technischen Infrastruktur des Lagers.

WMS und WCS: Wo liegt der Unterschied?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Ebene, auf der die beiden Systeme arbeiten.

Das WMS beschäftigt sich mit den übergeordneten Lagerprozessen und Beständen. Es entscheidet beispielsweise, welcher Artikel für einen Auftrag benötigt wird, aus welchem Bereich dieser entnommen werden soll oder wie ein Auftrag bearbeitet wird.

Das WCS übernimmt dagegen die technische Umsetzung innerhalb eines automatisierten Systems. Es steuert beispielsweise, welche Förderstrecke genutzt wird oder welches Regalbediengerät einen Transportauftrag ausführt.

Vereinfacht lässt sich der Unterschied so darstellen:

WMS = Was soll im Lager passieren?

WCS = Wie wird dieser Auftrag durch die automatisierte Lagertechnik ausgeführt?

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein WCS grundsätzlich selbstständig entscheidet, welche Waren ein Kunde benötigt. Die übergeordneten Informationen stammen in der Regel aus dem WMS oder einem anderen übergeordneten System.

Wie arbeiten WMS und WCS zusammen?

In einem automatisierten Lager können WMS und WCS eng miteinander verbunden sein. Das WMS verwaltet die Lagerbestände und Aufträge und erzeugt daraus entsprechende Lager- oder Transportaufgaben. Diese Aufgaben werden an das WCS übergeben.

Das WCS übersetzt die Vorgaben anschließend in konkrete Steuerungsbefehle für die vorhandene Automatisierung.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Onlinehändler erhält einen Kundenauftrag über zehn Artikel. Das WMS prüft, welche Artikel benötigt werden und wo sich diese befinden. Für Artikel aus einem automatisierten Bereich wird ein Transportauftrag erzeugt und an das WCS übergeben.

Das WCS koordiniert daraufhin die beteiligten Anlagen. Ein Shuttle holt beispielsweise einen Behälter aus dem Lager, eine Förderanlage transportiert ihn zur nächsten Station und ein Sorter führt ihn dem richtigen Bereich zu.

Nachdem die Ware an der vorgesehenen Stelle angekommen ist, können die weiteren Prozessschritte wieder über das WMS beziehungsweise angeschlossene Systeme organisiert werden.

So entsteht eine Verbindung zwischen Bestands- und Prozessverwaltung auf der einen Seite und Anlagensteuerung auf der anderen Seite.

WMS, WCS und SPS wie unterscheiden sich die Systeme?

Bei der Planung automatisierter Lager darf neben WMS und WCS auch die SPS nicht vergessen werden. Eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) arbeitet noch näher an der eigentlichen Maschine.

Die Hierarchie lässt sich vereinfacht darstellen:

WMS -> WCS -> SPS -> Anlage

Das WMS übernimmt die übergeordnete Lagerorganisation. Das WCS koordiniert die automatisierten Materialflüsse und kommuniziert mit den einzelnen Anlagen. Die SPS setzt anschließend konkrete Steuerungsbefehle innerhalb einer Maschine oder Anlage um.

In der Praxis können die Systemlandschaften allerdings unterschiedlich aufgebaut sein. Manche Anlagen verfügen über eigene Steuerungssysteme oder zusätzliche Middleware. Deshalb ist die konkrete Architektur immer abhängig von der eingesetzten Lagertechnik und den Anforderungen des Unternehmens.

Benötigt jedes Lager ein WCS?

Nein. Ein WCS ist vor allem dann sinnvoll beziehungsweise erforderlich, wenn ein Lager über einen größeren Anteil automatisierter Lager- und Fördertechnik verfügt.

In einem klassischen manuellen Lager reicht häufig ein WMS beziehungsweise eine Lagerverwaltungslösung aus. Mitarbeiter erhalten ihre Aufgaben beispielsweise über MDE-Geräte oder Smartphones und führen die Lagerbewegungen selbst durch.

Wird dagegen umfangreiche Automatisierung eingesetzt, kann ein WCS notwendig werden, um die verschiedenen technischen Komponenten miteinander zu koordinieren.

Auch bei kleineren Automatisierungslösungen muss nicht zwangsläufig eine komplexe WCS-Struktur vorhanden sein. Entscheidend sind unter anderem die Anzahl und Art der Anlagen, die Schnittstellen und die gewünschte Prozesssteuerung.

Softwarelösungen für moderne Lagerprozesse

Eine moderne Lagerverwaltung sollte nicht isoliert betrachtet werden. Gerade bei wachsenden Unternehmen ist es wichtig, dass sich die Software an unterschiedliche Lagerstrukturen und bestehende Systeme anbinden lässt.

Die COSYS Lagerverwaltung unterstützt Unternehmen bei der digitalen Abbildung zentraler Lagerprozesse. Über die COSYS App können beispielsweise Wareneingänge, Einlagerungen, Umlagerungen, Kommissionierungen, Inventuren und Warenausgänge mobil erfasst werden. Die Mitarbeiter arbeiten dabei mit Smartphones oder MDE-Geräten und können Lagerbewegungen direkt per Barcode-Scan dokumentieren.

Über den COSYS WebDesk stehen zusätzlich Funktionen für Administration, Stammdatenverwaltung, Bestandsübersicht, Auswertungen und Prozesskontrolle zur Verfügung. Je nach Anforderung kann die COSYS Lösung außerdem an ERP-Systeme und weitere Software angebunden werden.

Für Unternehmen mit automatisierten Lagern ist insbesondere die Frage der Schnittstellen und Systemintegration relevant. Ein WMS kann dabei die übergeordneten Lagerprozesse verwalten, während ein WCS die Verbindung zur automatisierten Lagertechnik übernimmt.

Fazit: WMS und WCS ergänzen sich

WMS und WCS sind keine konkurrierenden Systeme, sondern übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Das WMS verwaltet und organisiert die Lagerprozesse, während das WCS die automatisierte Lager- und Fördertechnik steuert.

In einem manuellen Lager kann ein WMS bereits einen großen Teil der Digitalisierung übernehmen. In einem hochautomatisierten Lager kommen dagegen häufig zusätzliche Steuerungsebenen wie WCS und SPS hinzu.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob WMS oder WCS grundsätzlich besser geeignet ist. Vielmehr kommt es darauf an, welche Prozesse und welche Automatisierung im jeweiligen Lager vorhanden sind. Durch eine abgestimmte Integration der Systeme lassen sich manuelle Prozesse, Bestandsverwaltung und automatisierte Materialflüsse zu einem durchgängigen Gesamtsystem verbinden.