backgroundLager

Was ist Pick-by-Vision?

Pick-by-Vision ist eine moderne Kommissioniermethode, bei der Mitarbeiter durch eine Datenbrille oder ein anderes Head-Mounted Display bei der Zusammenstellung von Aufträgen unterstützt werden. Die benötigten Informationen werden direkt im Sichtfeld des Mitarbeiters eingeblendet. Dazu gehören beispielsweise der nächste Lagerplatz, der zu entnehmende Artikel und die benötigte Menge.

2026-09-22 11:55:38

Im Gegensatz zu klassischen Kommissioniermethoden muss der Mitarbeiter dadurch nicht ständig auf Papierlisten, ein MDE-Gerät oder einen stationären Bildschirm schauen. Die relevanten Informationen werden während der Arbeit direkt vor den Augen angezeigt. Dadurch können sich die Mitarbeiter stärker auf ihre Umgebung und die eigentliche Entnahme konzentrieren.

Pick-by-Vision gehört zu den sogenannten sprach- und visuell unterstützten Kommissionierverfahren und wird insbesondere dort interessant, wo viele Aufträge schnell und möglichst fehlerfrei bearbeitet werden müssen.

Wie funktioniert Pick-by-Vision?

Grundlage für Pick-by-Vision ist eine digitale Lagerverwaltungssoftware oder ein Warehouse Management System. Dort werden Aufträge, Artikel, Bestände und Lagerplätze verwaltet. Sobald ein Kommissionierauftrag bereitsteht, wird dieser an das verwendete Pick-by-Vision-System übermittelt.

Der Mitarbeiter setzt seine Datenbrille auf und startet den Auftrag. Im Sichtfeld erscheinen anschließend Informationen zur nächsten Kommissionierposition. Das System kann beispielsweise anzeigen, zu welchem Lagerplatz der Mitarbeiter gehen soll und welche Menge dort entnommen werden muss.

Erreicht der Mitarbeiter den entsprechenden Lagerplatz, kann die Brille die Position und die Entnahmemenge anzeigen. Je nach eingesetzter Technologie sind auch zusätzliche Informationen möglich. Dazu gehören beispielsweise Artikelbilder, Barcodes, Auftragsnummern oder Hinweise zur weiteren Bearbeitung.

Die Bestätigung einer Entnahme kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Möglich sind beispielsweise Sprachbefehle, Tasten am Gerät, Gesten oder ein zusätzlicher Scanner. Nach der Bestätigung wird die nächste Position angezeigt. Dadurch entsteht ein digital geführter Kommissionierprozess.

Welche Vorteile bietet Pick-by-Vision?

Ein wesentlicher Vorteil von Pick-by-Vision liegt darin, dass die benötigten Informationen direkt im Sichtfeld des Mitarbeiters erscheinen. Dadurch muss dieser seine Aufmerksamkeit weniger zwischen verschiedenen Informationsquellen wechseln. Gerade bei häufigen Entnahmen kann dies den Arbeitsablauf vereinfachen.

Auch die Hände bleiben während der Kommissionierung weitgehend frei. Der Mitarbeiter kann beispielsweise einen Karton, eine Kiste oder einen Artikel aufnehmen, während die Datenbrille gleichzeitig die nächsten Arbeitsschritte anzeigt. Bei klassischen mobilen Geräten muss das MDE-Gerät dagegen häufig in die Hand genommen werden.

Darüber hinaus können zusätzliche Informationen eingeblendet werden. Neben Artikel und Menge können beispielsweise Lagerplatzinformationen oder Produktbilder angezeigt werden. Dies kann insbesondere bei Artikeln mit ähnlicher Verpackung oder ähnlichen Bezeichnungen hilfreich sein.

Pick-by-Vision kann außerdem dazu beitragen, Kommissionierfehler zu reduzieren. Der Mitarbeiter erhält für jeden Arbeitsschritt konkrete Informationen und kann die Entnahme digital bestätigen. In Kombination mit einer Barcode- oder QR-Code-Prüfung lässt sich zusätzlich kontrollieren, ob der richtige Artikel entnommen wurde.

Wo liegen die Nachteile?

Trotz der Vorteile ist Pick-by-Vision nicht für jedes Lager automatisch die passende Lösung. Ein wichtiger Faktor sind zunächst die Anschaffungskosten. Datenbrillen und die dazugehörige Software sind in der Regel kostenintensiver als einfache Papierlisten oder klassische mobile Datenerfassungsgeräte.

Auch die Mitarbeiter müssen an die neue Technologie herangeführt werden. Das Tragen einer Datenbrille und die Arbeit mit eingeblendeten Informationen können zunächst ungewohnt sein. Deshalb sind eine verständliche Benutzerführung und eine entsprechende Einweisung wichtig.

Darüber hinaus müssen technische Voraussetzungen wie WLAN, mobile Datenverbindungen, geeignete Software und kompatible Hardware vorhanden sein. Je nach System können außerdem Aspekte wie Akkulaufzeit, Tragekomfort und Robustheit im Lager eine Rolle spielen.

Auch bei sehr einfachen Kommissionierprozessen kann Pick-by-Vision möglicherweise einen größeren technischen Aufwand darstellen, als tatsächlich benötigt wird. Unternehmen sollten deshalb vor der Einführung prüfen, ob die Technologie zum eigenen Lager und den vorhandenen Prozessen passt.

Für welche Lager eignet sich Pick-by-Vision?

Pick-by-Vision kann insbesondere für Lager interessant sein, in denen Mitarbeiter viele unterschiedliche Artikel bearbeiten und dabei regelmäßig Informationen benötigen. Dazu zählen beispielsweise E-Commerce-Lager, Ersatzteillager, Produktionslager oder Logistikdienstleister.

Auch bei komplexeren Kommissionieraufträgen kann die Technologie Vorteile bieten. Wenn Mitarbeiter beispielsweise zusätzliche Informationen zu Artikeln, Lagerplätzen oder Bearbeitungsschritten benötigen, lassen sich diese direkt über die Datenbrille bereitstellen.

Interessant ist Pick-by-Vision außerdem für Unternehmen, die ihre Kommissionierung stärker digitalisieren möchten. Die Technologie kann dabei mit anderen Verfahren kombiniert werden. Beispielsweise kann ein Mitarbeiter über die Datenbrille zum richtigen Lagerplatz geführt werden und anschließend einen Barcode am Artikel scannen.

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt letztlich von der Lagerstruktur, dem Auftragsvolumen und den Anforderungen an die Kommissionierung ab. Je nach Einsatzbereich können auch Pick-by-Scan, Pick-by-Light oder Pick-by-Voice geeignete Alternativen darstellen.

Pick-by-Vision und Warehouse Management System

Damit Pick-by-Vision zuverlässig funktioniert, muss die Datenbrille mit den relevanten Lagerdaten versorgt werden. Ein WMS oder eine Lagerverwaltungssoftware stellt dafür Informationen über Aufträge, Artikel, Mengen und Lagerplätze bereit.

Bei einem neuen Kommissionierauftrag übermittelt das System beispielsweise die einzelnen Positionen an die Pick-by-Vision-Anwendung. Diese verarbeitet die Informationen und stellt dem Mitarbeiter die nächsten Arbeitsschritte zur Verfügung.

Nach jeder Entnahme wird die Rückmeldung wieder an das zentrale System übertragen. Dadurch können Bestände unmittelbar aktualisiert und Aufträge fortlaufend bearbeitet werden. Für die Lagerleitung entsteht gleichzeitig eine bessere Transparenz über den aktuellen Bearbeitungsstand.

Pick-by-Vision in der Praxis

Ein Beispiel aus dem Ersatzteillager zeigt den möglichen Ablauf: Ein Mitarbeiter erhält einen Auftrag mit mehreren Ersatzteilen. Nach dem Start des Auftrags zeigt die Datenbrille zunächst den Lagerplatz des ersten Artikels an.

Am Lagerplatz angekommen, sieht der Mitarbeiter die benötigte Menge und kann zusätzlich eine Artikelnummer oder ein Produktbild eingeblendet bekommen. Nach der Entnahme wird der Barcode des Artikels gescannt und die Position bestätigt. Anschließend zeigt die Datenbrille den nächsten Lagerplatz an.

Der Mitarbeiter muss dadurch weder eine Papierliste in der Hand halten noch ständig auf ein separates MDE-Gerät schauen. Gleichzeitig werden die einzelnen Arbeitsschritte digital dokumentiert und an das Lagerverwaltungssystem zurückgemeldet.

COSYS Lagerverwaltung unterstützt die digitale Kommissionierung

Die COSYS Lagerverwaltung ermöglicht die digitale Abbildung wichtiger Lagerprozesse und unterstützt unter anderem Wareneingang, Einlagerung, Auslagerung, Umlagerung, Inventur und Kommissionierung.

Über die COSYS App können Mitarbeiter Kommissionieraufträge auf mobilen Endgeräten bearbeiten und Artikel, Mengen sowie Lagerplätze digital erfassen. Die Informationen werden anschließend an das zentrale System zurückgemeldet, sodass Bestände und Auftragsstatus aktuell bleiben.

Im COSYS WebDesk können Lagerverantwortliche Aufträge, Artikel, Lagerplätze und Bestände zentral verwalten und Prozessdaten auswerten. Über Schnittstellen lässt sich die COSYS Lagerverwaltung zudem mit bestehenden ERP-Systemen verbinden.

Auch eine Anbindung von Technologien wie Pick-by-Vision kann über entsprechende Schnittstellen realisiert werden. Dadurch kann die Lagerverwaltungssoftware als zentrale Grundlage für die digitalen Lagerprozesse dienen.

Fazit

Pick-by-Vision verbindet Kommissionierung und Augmented-Reality-Technologie. Über eine Datenbrille erhalten Mitarbeiter wichtige Informationen direkt in ihrem Sichtfeld und können dadurch weitgehend freihändig arbeiten.

Die Methode bietet insbesondere bei komplexen oder umfangreichen Kommissionierprozessen interessante Möglichkeiten. Informationen zu Lagerplatz, Artikel und Menge können direkt während der Arbeit angezeigt werden. Gleichzeitig lassen sich weitere Funktionen wie Barcode-Scans oder digitale Bestätigungen integrieren.

Den Vorteilen stehen jedoch Investitionskosten, technische Anforderungen und ein gewisser Schulungsaufwand gegenüber. Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche Kommissioniertechnik am besten zu ihren individuellen Lagerprozessen passt. In Kombination mit einem leistungsfähigen WMS oder einer digitalen Lagerverwaltung kann Pick-by-Vision ein weiterer Baustein auf dem Weg zum digitalisierten Lager sein.