Welche Kommissionierstrategien gibt es?
Die Kommissionierung gehört zu den wichtigsten und zugleich fehleranfälligsten Prozessen im Lager. Mitarbeiter stellen Artikel anhand von Kundenaufträgen, Produktionsaufträgen oder internen Anforderungen zusammen und bereiten diese für den Versand oder die weitere Verarbeitung vor. Je nach Lagergröße, Artikelstruktur, Auftragsvolumen und gewünschter Liefergeschwindigkeit kommen dabei unterschiedliche Kommissionierstrategien zum Einsatz.
2026-09-16 15:58:23Eine passende Strategie kann Wege im Lager verkürzen, Mitarbeiter besser auslasten und die Anzahl der Kommissionierfehler reduzieren. Besonders bei einer großen Anzahl an Aufträgen oder Artikeln lohnt es sich, die Kommissionierung durch eine digitale Softwarelösung zu unterstützen.
Einzelkommissionierung
Bei der Einzelkommissionierung bearbeitet ein Mitarbeiter jeweils einen Auftrag vollständig. Er erhält beispielsweise eine Pickliste mit allen benötigten Artikeln, läuft die entsprechenden Lagerplätze ab und stellt die Ware für genau diesen Auftrag zusammen.
Diese Strategie ist vergleichsweise einfach umzusetzen und eignet sich insbesondere für kleinere Lager oder Unternehmen mit überschaubarem Auftragsvolumen. Ein Nachteil besteht allerdings darin, dass sich Laufwege wiederholen können. Befinden sich Artikel aus mehreren Aufträgen am gleichen Lagerplatz, muss der Mitarbeiter diesen Lagerplatz unter Umständen mehrfach aufsuchen.
Sammelkommissionierung
Bei der Sammelkommissionierung werden mehrere Aufträge gleichzeitig bearbeitet. Statt jeden Auftrag einzeln abzuarbeiten, sammelt der Mitarbeiter die benötigten Artikel für mehrere Aufträge in einem Durchgang.
Dadurch können doppelte Wege vermieden und häufig benötigte Lagerplätze effizienter angefahren werden. Allerdings muss anschließend eindeutig nachvollziehbar sein, welcher Artikel zu welchem Auftrag gehört. Ohne geeignete Kennzeichnung und Organisation steigt deshalb das Risiko von Zuordnungsfehlern.
Eine digitale Lösung kann hierbei beispielsweise mehrere Aufträge zusammenführen und dem Mitarbeiter über das mobile Gerät anzeigen, welche Menge eines Artikels insgesamt benötigt wird.
Multi-Order-Picking
Das Multi-Order-Picking ist eine spezielle Form der Sammelkommissionierung. Der Mitarbeiter bearbeitet mehrere Kundenaufträge gleichzeitig und führt die entnommenen Artikel beispielsweise in verschiedenen Behältern mit.
Die Software kann dabei vorgeben, aus welchem Lagerplatz welche Menge entnommen werden muss und welchem Auftrag die Ware anschließend zugeordnet wird. Besonders bei vielen kleinen Aufträgen, wie sie beispielsweise im E-Commerce vorkommen, kann diese Strategie die Anzahl der Laufwege deutlich reduzieren.
Wichtig ist eine eindeutige Auftrags- und Artikelzuordnung. Werden Artikel in den falschen Behälter gelegt, kann ein kompletter Kundenauftrag fehlerhaft zusammengestellt werden.
Batch-Picking
Beim Batch-Picking werden mehrere Aufträge mit ähnlichen oder identischen Artikeln zu einem Kommissionierauftrag zusammengefasst. Benötigen beispielsweise zehn Kunden jeweils denselben Artikel, kann der Mitarbeiter die Gesamtmenge in einem Arbeitsschritt aus dem Lager entnehmen.
Anschließend werden die Artikel auf die einzelnen Kundenaufträge verteilt. Batch-Picking eignet sich daher besonders bei hohem Auftragsvolumen und vielen Aufträgen mit ähnlicher Artikelstruktur.
Der zusätzliche Sortierschritt muss allerdings berücksichtigt werden. Wird die Gesamtmenge zwar richtig entnommen, anschließend aber falsch auf die einzelnen Aufträge verteilt, entstehen Kommissionierfehler.
Zonenkommissionierung
Bei der Zonenkommissionierung wird das Lager in verschiedene Bereiche beziehungsweise Zonen aufgeteilt. Jeder Mitarbeiter ist für eine bestimmte Zone zuständig und kommissioniert dort die benötigten Artikel.
Ein Auftrag kann dadurch mehrere Zonen durchlaufen. Während ein Mitarbeiter beispielsweise Artikel aus dem Kleinteilelager zusammenstellt, übernimmt ein anderer Mitarbeiter die Ware aus einer Palettenzone.
Diese Strategie eignet sich vor allem für größere Lager mit unterschiedlichen Lagerbereichen. Voraussetzung ist allerdings eine gute Koordination der einzelnen Zonen. Die Aufträge müssen nach der Kommissionierung entweder zusammengeführt oder sinnvoll an die nächste Zone weitergeleitet werden.
Softwaregestützte Kommissionierung
Unabhängig davon, welche Strategie eingesetzt wird, kann eine Lagerverwaltungs- oder WMS-Software die Kommissionierung deutlich strukturierter gestalten. Statt mit Papierlisten zu arbeiten, erhält der Mitarbeiter seine Aufgaben direkt auf einem Smartphone oder MDE-Gerät.
Die Software kann beispielsweise den passenden Auftrag anzeigen, den Lagerplatz vorgeben und die zu entnehmende Menge nennen. Durch das Scannen des Artikels und des Lagerplatzes wird direkt überprüft, ob der Mitarbeiter am richtigen Ort arbeitet und den richtigen Artikel entnimmt.
Auch die Reihenfolge der Kommissionierung lässt sich digital unterstützen. Lagerplätze können beispielsweise nach einer sinnvollen Laufroute sortiert werden, sodass unnötige Wege reduziert werden.
Welche Fehler können bei der Kommissionierung entstehen?
Bei der manuellen Kommissionierung können verschiedene Fehler auftreten. Häufige Beispiele sind falsche Artikel, falsche Mengen oder die Entnahme vom falschen Lagerplatz. Auch Verwechslungen ähnlicher Artikel oder die Zuordnung eines Artikels zu einem falschen Auftrag können vorkommen.
Weitere Fehler entstehen, wenn Bestände im System nicht mit dem tatsächlichen Lagerbestand übereinstimmen. Ein Mitarbeiter sucht dann möglicherweise einen Artikel an einem Lagerplatz, an dem er laut System vorhanden sein sollte, findet ihn dort aber nicht.
Auch organisatorische Fehler sind möglich. Dazu gehören beispielsweise doppelte Bearbeitungen, vergessene Auftragspositionen oder nicht korrekt abgeschlossene Kommissionieraufträge.
Was macht eine Software besser?
Eine Software ersetzt nicht den Mitarbeiter, reduziert aber viele manuelle Prüfschritte und sorgt für einen nachvollziehbaren Prozess. Statt Artikelnummern oder Lagerplätze von einer Papierliste abzulesen, kann der Mitarbeiter die Daten direkt auf dem mobilen Gerät sehen und per Barcode überprüfen.
Dadurch werden Fehler bereits während der Kommissionierung erkannt und nicht erst beim Verpacken oder beim Kunden. Gleichzeitig erhält die Lagerleitung einen besseren Überblick über offene, laufende und abgeschlossene Aufträge.
Je nach System können außerdem Prioritäten vergeben, Aufträge Mitarbeitern zugewiesen, Teilkommissionierungen dokumentiert und Kommissionierzeiten ausgewertet werden. So lassen sich Engpässe und ineffiziente Abläufe leichter erkennen.
Besonders interessant ist die Kombination verschiedener Strategien. Eine Software kann beispielsweise mehrere Aufträge bündeln, Artikel nach Lagerzonen organisieren und gleichzeitig eine sinnvolle Reihenfolge der Lagerplätze vorgeben. Welche Strategie tatsächlich sinnvoll ist, hängt dabei immer von den individuellen Lagerprozessen ab.
Kommissionierung mit der COSYS Lagersoftware
Auch die COSYS Lagersoftware unterstützt Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Kommissionierung. Über die COSYS App können Mitarbeiter Kommissionieraufträge direkt auf einem Smartphone oder MDE-Gerät bearbeiten und Artikel sowie Lagerplätze per Barcode erfassen. Die Software dokumentiert die einzelnen Arbeitsschritte und hilft dabei, falsche Artikel, Mengen oder Lagerplätze frühzeitig zu erkennen.
Über den COSYS WebDesk können Aufträge verwaltet, Prozesse nachvollzogen und Auswertungen zu den Lagerabläufen erstellt werden. Je nach Anforderung lässt sich die COSYS Lösung als eigenständige Lagerverwaltung oder mit einer Anbindung an ein ERP-System einsetzen. Dadurch können Unternehmen ihre Kommissionierung schrittweise digitalisieren und an ihre bestehenden Lagerprozesse anpassen.
Fazit
Es gibt nicht die eine Kommissionierstrategie, die für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet ist. Einzelkommissionierung, Sammelkommissionierung, Multi-Order-Picking, Batch-Picking und Zonenkommissionierung haben jeweils unterschiedliche Einsatzbereiche und Anforderungen.
Entscheidend sind unter anderem die Anzahl der Aufträge, die Artikelstruktur, die Größe des Lagers und die benötigte Geschwindigkeit. Eine digitale Lagerverwaltungs- oder WMS-Lösung kann dabei helfen, die gewählte Strategie effizient umzusetzen, Laufwege zu optimieren und Kommissionierfehler bereits während des Prozesses zu erkennen. So wird die Kommissionierung transparenter, nachvollziehbarer und effizienter.