Wie funktioniert beleglose Kommissionierung?
Die Kommissionierung gehört zu den wichtigsten und zugleich arbeitsintensivsten Prozessen im Lager. Dabei müssen Mitarbeiter Artikel anhand von Aufträgen zusammenstellen und für den nächsten Prozessschritt vorbereiten. Klassischerweise erfolgt dies mit Papierlisten, auf denen Artikelnummern, Mengen und Lagerplätze aufgeführt sind. Eine moderne Alternative ist die beleglose Kommissionierung. Hier werden die benötigten Informationen digital auf einem mobilen Datenerfassungsgerät, Smartphone, Tablet oder einem anderen geeigneten Endgerät bereitgestellt. Dadurch können Kommissionieraufträge ohne Papier bearbeitet und direkt im Lager rückgemeldet werden.
2026-09-28 13:52:05Was bedeutet beleglose Kommissionierung?
Bei der beleglosen Kommissionierung werden die Arbeitsinformationen nicht mehr auf einem gedruckten Kommissionierbeleg ausgegeben. Stattdessen erhält der Mitarbeiter seine Aufträge digital. Ein Lagerverwaltungssystem oder Warehouse Management System (WMS) stellt die benötigten Daten bereit und übermittelt sie an das mobile Endgerät des Mitarbeiters.
Auf dem Gerät können beispielsweise Auftragsnummer, Artikelnummer, Artikelbezeichnung, Lagerplatz und benötigte Menge angezeigt werden. Der Mitarbeiter navigiert anhand dieser Informationen zum richtigen Lagerplatz, entnimmt die Ware und bestätigt die Entnahme anschließend digital.
Die Rückmeldung erfolgt dabei unmittelbar im System. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen dem physischen Warenfluss und den digitalen Bestandsdaten.
Wie läuft eine beleglose Kommissionierung ab?
Am Anfang steht ein Kunden-, Produktions- oder interner Lagerauftrag. Dieser wird im ERP-System oder WMS angelegt und enthält die zu kommissionierenden Artikel und Mengen. Je nach System können Aufträge anschließend priorisiert, gebündelt oder nach bestimmten Kriterien sortiert werden.
Der Kommissionierauftrag wird einem Mitarbeiter oder einer Kommissioniergruppe zugewiesen. Auf dem mobilen Endgerät erscheint der nächste Arbeitsschritt. Dabei kann das System beispielsweise den Lagerplatz anzeigen, an dem sich der benötigte Artikel befindet.
Der Mitarbeiter begibt sich zum angegebenen Lagerplatz und entnimmt die vorgegebene Menge. Zur Kontrolle kann der Artikel- oder Lagerplatzbarcode gescannt werden. Das System prüft dadurch, ob der Mitarbeiter tatsächlich den vorgesehenen Artikel am richtigen Lagerplatz bearbeitet.
Nach erfolgreicher Entnahme wird die Menge digital bestätigt. Anschließend erhält der Mitarbeiter den nächsten Auftrag beziehungsweise den nächsten Positionen entsprechend die nächste Aufgabe. Sobald alle Positionen bearbeitet wurden, wird der Kommissionierauftrag abgeschlossen oder an den nächsten Prozess übergeben.
Welche Geräte werden eingesetzt?
Für die beleglose Kommissionierung können unterschiedliche mobile Geräte eingesetzt werden. Besonders verbreitet sind klassische MDE-Geräte, Full-Touch-Geräte, Smartphones und Tablets. Welche Hardware geeignet ist, hängt unter anderem von der Lagerumgebung, der benötigten Robustheit und dem jeweiligen Prozess ab.
MDE-Geräte verfügen häufig über integrierte Scanner und sind für den täglichen Einsatz im Lager ausgelegt. Smartphones können insbesondere für kleinere oder weniger raue Arbeitsumgebungen interessant sein. Auch Tablets können eingesetzt werden, wenn größere Anzeigen oder zusätzliche Informationen benötigt werden.
Entscheidend ist nicht nur das Gerät selbst, sondern die Verbindung zur Lagerverwaltungssoftware. Die Anwendung muss dem Mitarbeiter die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt bereitstellen und seine Rückmeldungen zuverlässig an das System übertragen.
Welche Rolle spielt das WMS?
Das WMS bildet die zentrale Grundlage für die beleglose Kommissionierung. Es verwaltet Aufträge, Artikel, Bestände und Lagerplätze und steuert die einzelnen Arbeitsschritte.
Bei der Erstellung eines Kommissionierauftrags kann das System beispielsweise berücksichtigen, wo sich die benötigten Artikel befinden. Je nach Funktionsumfang kann daraus eine sinnvolle Reihenfolge für die Entnahme entstehen. So lassen sich unnötige Wege reduzieren.
Darüber hinaus kann das WMS den aktuellen Status eines Auftrags anzeigen. Verantwortliche sehen beispielsweise, welche Aufträge noch offen sind, welche bereits bearbeitet werden und welche abgeschlossen wurden.
Durch die digitale Rückmeldung werden auch Bestandsänderungen zeitnah im System berücksichtigt. Die Entnahme eines Artikels bleibt dadurch nicht nur auf dem mobilen Gerät dokumentiert, sondern kann direkt in die zentrale Bestandsverwaltung einfließen.
Artikel und Lagerplätze per Barcode prüfen
Ein wichtiger Bestandteil der beleglosen Kommissionierung ist die Identifikation per Barcode. Vor der Entnahme kann der Mitarbeiter den Lagerplatz scannen. Anschließend wird der Artikel erfasst und mit dem Kommissionierauftrag abgeglichen.
Dadurch können Fehlgriffe reduziert werden. Befindet sich der Mitarbeiter beispielsweise am falschen Lagerplatz oder wurde ein falscher Artikel aufgenommen, kann das System eine entsprechende Meldung anzeigen.
Auch die Menge kann digital kontrolliert werden. Je nach Prozess bestätigt der Mitarbeiter die Entnahmemenge manuell oder erfasst die einzelnen Einheiten über den Scanner.
Diese digitale Kontrolle ist besonders hilfreich, wenn viele ähnliche Artikel im Lager vorhanden sind oder Aufträge eine große Anzahl unterschiedlicher Positionen enthalten.
Vorteile gegenüber Papierlisten
Die beleglose Kommissionierung bietet gegenüber papiergestützten Prozessen mehrere Vorteile. Einer davon ist die Aktualität der Informationen. Änderungen an Aufträgen können digital an die Mitarbeiter übermittelt werden, ohne dass neue Papierlisten ausgedruckt und verteilt werden müssen.
Auch die Rückmeldung erfolgt schneller. Bei einer Papierliste muss der Mitarbeiter die erledigte Position zunächst markieren. Anschließend müssen die Informationen gegebenenfalls noch manuell in ein System übertragen werden. Bei einem digitalen Prozess erfolgt die Rückmeldung direkt über das mobile Gerät.
Dadurch lassen sich Medienbrüche vermeiden. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für Ausdruck, Verteilung und spätere Erfassung von Kommissionierbelegen.
Ein weiterer Vorteil besteht in der besseren Nachvollziehbarkeit. Digitale Buchungen können einem Auftrag und häufig auch einem Mitarbeiter oder einer bestimmten Zeit zugeordnet werden.
Beleglose Kommissionierung und verschiedene Kommissioniermethoden
Die beleglose Kommissionierung ist nicht auf eine bestimmte Kommissioniermethode beschränkt. Sie kann beispielsweise mit Einzelkommissionierung, Multi-Order-Picking, Batch Picking oder Pick & Pack kombiniert werden.
Auch moderne Technologien wie Pick-by-Voice oder Pick-by-Light verfolgen das Grundprinzip, dem Mitarbeiter digitale beziehungsweise elektronische Informationen für die Entnahme bereitzustellen. Bei Pick-by-Voice erhält der Mitarbeiter die Informationen beispielsweise über ein Headset. Bei Pick-by-Light zeigen Leuchten am Lagerplatz an, welche Artikel und Mengen entnommen werden sollen.
Damit kann die beleglose Kommissionierung als übergeordnetes Prinzip verstanden werden: Der Kommissionierprozess wird digital unterstützt, anstatt mit einem klassischen Papierbeleg durchgeführt zu werden.
Was passiert bei Fehlmengen oder Abweichungen?
In der Praxis kann es vorkommen, dass ein Artikel nicht in der erwarteten Menge vorhanden ist. Ein digitales System kann solche Abweichungen direkt erfassen. Der Mitarbeiter meldet beispielsweise eine Fehlmenge oder einen beschädigten Artikel über das mobile Gerät.
Je nach hinterlegten Regeln kann anschließend ein Folgeprozess gestartet werden. Dazu gehören beispielsweise eine Nachprüfung des Lagerbestands, die Suche nach einem alternativen Lagerplatz oder die Information an einen Verantwortlichen.
Auch Teilkommissionierungen können digital dokumentiert werden. Dadurch bleibt sichtbar, welche Mengen bereits entnommen wurden und welche Positionen noch offen sind.
COSYS Lagerverwaltung für die beleglose Kommissionierung
Die COSYS Lagerverwaltung unterstützt eine digitale und beleglose Abwicklung von Kommissionierprozessen. Über die COSYS App können Mitarbeiter Aufträge auf mobilen Geräten bearbeiten, Artikel und Lagerplätze per Barcode erfassen und Entnahmen direkt zurückmelden. Der COSYS WebDesk bietet gleichzeitig eine zentrale Übersicht über Aufträge, Bestände, Lagerplätze und Prozessdaten. Je nach Anforderung lassen sich verschiedene Kommissionierverfahren wie Einzelkommissionierung, Multi-Order-Picking oder Pick & Pack abbilden. Durch die digitale Erfassung werden Papierbelege reduziert und Kommissionierprozesse transparenter nachvollziehbar.