backgroundHardware

Wearable-Scanner: Effizienter kommissionieren durch freihändiges Arbeiten

Wie Handrücken- und Ringscanner die Kommissionierleistung verbessern, Laufwege effizienter gestalten und Lagerprozesse beschleunigen.

Ein Artikel wird aus dem Regal genommen, der Handscanner gegriffen, der Barcode erfasst und das Gerät wieder abgelegt. Anschließend folgt der nächste Artikel. Was nach wenigen Sekunden klingt, summiert sich bei mehreren Tausend Picks pro Schicht zu einem erheblichen Zeitaufwand. Besonders in kommissionierintensiven Lagern können diese wiederkehrenden Handgriffe die Produktivität spürbar beeinträchtigen.

2026-10-21 13:28:36

Wearable-Scanner setzen genau an dieser Stelle an. Die tragbaren Barcode-Lesegeräte werden am Finger oder Handrücken befestigt und ermöglichen die Datenerfassung, ohne ständig zu einem separaten Scanner greifen zu müssen. Für E-Commerce-Unternehmen, Großhändler und Logistikdienstleister eröffnet das neue Möglichkeiten, ihre Kommissionierprozesse ergonomischer und effizienter zu gestalten.

Wie funktionieren Wearable-Scanner in der Kommissionierung?

Wearable-Scanner sind kompakte Datenerfassungsgeräte, die direkt am Körper getragen werden. Besonders verbreitet sind Ringscanner, die an einem Finger befestigt werden, sowie Handrückenscanner, deren Scaneinheit auf einem Handschuh oder einer speziellen Halterung sitzt.

Die Barcodeerfassung erfolgt meist über einen Auslöser am Finger oder an der Hand. Die erfassten Daten werden beispielsweise per Bluetooth an ein mobiles Datenerfassungsgerät oder ein anderes kompatibles Endgerät übertragen. Dort verarbeitet die Lagerverwaltungssoftware den Scan und ordnet ihn dem jeweiligen Kommissionierauftrag zu.

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Handscanner liegt in der Bedienung: Mitarbeiter müssen das Lesegerät nicht wiederholt aufnehmen und ablegen. Beide Hände bleiben weitgehend für die Warenhandhabung verfügbar.

Weniger Handgriffe erhöhen die Kommissionierleistung

Der größte Effizienzgewinn entsteht durch die Reduzierung nicht wertschöpfender Bewegungen. Beim klassischen Scannen wechseln Mitarbeiter regelmäßig zwischen Warenhandhabung und Gerätebedienung. Wearable-Scanner reduzieren diese Unterbrechungen.

Besonders deutlich wird der Vorteil bei der Einzelartikelkommissionierung. Müssen beispielsweise zahlreiche kleinere Produkte aus unterschiedlichen Lagerfächern entnommen werden, kann jeder eingesparte Handgriff den Ablauf beschleunigen.

Die tatsächliche Zeitersparnis hängt allerdings von der Prozessgestaltung ab. In Lagern mit wenigen Scanvorgängen oder langen Transportwegen fällt der Effekt geringer aus. Bei hoher Pickdichte und häufigen Artikelwechseln können Wearables dagegen einen messbaren Produktivitätsvorteil bieten.

Wichtig ist deshalb, nicht nur die reine Scangeschwindigkeit zu betrachten. Aussagekräftiger sind Kennzahlen wie Picks pro Stunde, Bearbeitungszeit je Auftragsposition und Fehlerquote.

Ringscanner oder Handrückenscanner: Welche Variante eignet sich?

Ringscanner zeichnen sich durch ihre kompakte Bauweise und ihr geringes Gewicht aus. Sie eignen sich besonders für Tätigkeiten, bei denen Mitarbeiter häufig kleinere Artikel greifen und Barcodes aus kurzer Entfernung erfassen.

Ein Beispiel ist der Zebra RS5100, der als kompakter Ringscanner für mobile Arbeitsabläufe konzipiert wurde. Auch der Honeywell 8675i ermöglicht die freihändige Barcodeerfassung und kann mit geeigneten mobilen Endgeräten kombiniert werden.

Handrückenscanner sitzen dagegen auf dem Handrücken und lassen die Finger weitgehend frei. Dadurch können sie bei der Handhabung größerer Kartons, Behälter oder unterschiedlich geformter Artikel Vorteile bieten. Ein Beispiel ist der Datalogic CODiScan, der als tragbarer Scanner für industrielle und logistische Arbeitsumgebungen entwickelt wurde.

Welche Bauform besser geeignet ist, hängt von Artikelgröße, Greifbewegungen, Tragekomfort und den individuellen Arbeitsabläufen ab. Ein Praxistest mit den tatsächlichen Kommissionieraufgaben ist deshalb sinnvoll.

Ergonomie als zusätzlicher Wirtschaftlichkeitsfaktor

Neben der Geschwindigkeit beeinflusst die Ergonomie die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Klassische Handscanner müssen während einer Schicht häufig gehalten, abgelegt oder aus einer Halterung genommen werden.

Wearable-Scanner reduzieren diese Wechselbewegungen und können dadurch die körperliche Belastung verringern. Gleichzeitig sollten Unternehmen auf Gewicht, Befestigung und Bewegungsfreiheit achten.

Ein schlecht sitzender Ringscanner kann beim Greifen stören. Auch Handrückenhalterungen müssen so gestaltet sein, dass sie weder die Beweglichkeit einschränken noch bei längerer Nutzung unangenehme Druckstellen verursachen.

Besonders bei mehrschichtigen Lagerbetrieben sollten deshalb unterschiedliche Handgrößen, Links- und Rechtshänder sowie die Verwendung von Arbeitshandschuhen berücksichtigt werden.

Ohne passende Lagersoftware bleibt Potenzial ungenutzt

Wearable-Scanner beschleunigen zunächst die Barcodeerfassung. Ob daraus ein effizienterer Gesamtprozess entsteht, hängt jedoch wesentlich von der eingesetzten Lagerverwaltungssoftware ab.

Eine digitale Kommissionierlösung führt Mitarbeiter durch die Aufträge, überprüft gescannte Artikel und dokumentiert Entnahmemengen. Dadurch lassen sich Fehlgriffe frühzeitig erkennen und Bestandsbewegungen unmittelbar erfassen.

Besonders interessant wird die Kombination, wenn Lagerverwaltung, Kommissionierung und Versand miteinander verbunden sind. Dann können bestätigte Picks direkt in die weitere Auftragsbearbeitung einfließen, ohne dass Daten mehrfach erfasst werden müssen.