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Greifen oder entscheiden: Zwei Wege, auf denen KI in die Retoure kommt

Wie Zalando und UPS Happy Returns KI an unterschiedlichen Punkten der Retourenlogistik einsetzen und warum die nächste Herausforderung darin liegt, Warenbewegungen und Entscheidungen intelligent zu verbinden.

Zalando lässt Retouren von KI-gestützten Robotern bearbeiten. UPS Happy Returns nutzt künstliche Intelligenz, um verdächtige Rückgaben zu überprüfen. Beide Unternehmen automatisieren Prozesse, die bislang menschliche Arbeit erfordern. Doch während das eine System Waren bewegt, prüft das andere Entscheidungen. Was passiert, wenn beide Fähigkeiten zusammenkommen?

2026-10-16 11:41:10

Anfang Oktober 2026 gaben Zalando, Sereact und CEVA Logistics den Einsatz KI-gesteuerter Robotersysteme in Greven und im polnischen Świebodzin bekannt. Die Technologie soll künftig an weiteren europäischen Standorten eingesetzt werden. Konkrete Zahlen zu Durchsatz, Fehlerquoten oder Kosteneinsparungen wurden nicht veröffentlicht.

Einen anderen Ansatz verfolgt die UPS-Tochter Happy Returns. Seit Ende 2025 testet das Unternehmen mit Händlern wie Everlane eine KI-gestützte Betrugsprüfung namens Return Vision. Auffällige Rückgaben werden anhand von Verhaltensmustern identifiziert und anschließend durch den Vergleich mit Produktinformationen und Katalogbildern überprüft.

Beide Anwendungen stehen für KI in der Retourenlogistik. Ihre Aufgaben unterscheiden sich jedoch grundlegend.

Modell A: Die Handhabung automatisieren

In Greven und Świebodzin übernehmen zweiarmige Robotersysteme von Sereact das Erkennen, Greifen und Sortieren zurückgesendeter Modeartikel. Die KI ermöglicht es, auch unbekannte Artikel ohne vorheriges Training für einzelne Produkte zu verarbeiten.

Die Herausforderung liegt in der physischen Vielfalt der Retouren. Kleidung unterscheidet sich in Form, Material und Verpackung. Klassische Automatisierung stößt bei solchen Unterschieden schnell an Grenzen.

Der Ansatz von Zalando adressiert damit einen Engpass der operativen Bearbeitung: Wie lassen sich große Mengen unterschiedlicher Artikel effizient handhaben, ohne jeden einzelnen Prozessschritt manuell auszuführen?

Modell B: Die Entscheidung absichern

Return Vision bewegt keine Waren. Die Technologie unterstützt die Überprüfung, ob ein zurückgegebener Artikel tatsächlich dem verkauften Produkt entspricht.

Dafür kombiniert Happy Returns eine KI-gestützte Risikobewertung mit einer bildbasierten Artikelprüfung. Nach Unternehmensangaben wird weniger als ein Prozent der Rückgaben für eine zusätzliche Untersuchung markiert.

Der Engpass ist hier nicht die physische Bewegung, sondern das Risiko falscher Erstattungen. Die KI soll verdächtige Fälle erkennen, ohne den Rückgabeprozess für die große Mehrheit der Kunden unnötig zu verlangsamen.

Zwei Technologien, zwei unterschiedliche Aufgaben

Zalando

Happy Returns

Schwerpunkt

Physische Automatisierung

KI-gestützte Prüfung

Ziel

Retouren greifen und sortieren

Verdächtige Rückgaben überprüfen

Engpass

Warenvielfalt, manuelle Handhabung

Betrugsrisiko, Prüfaufwand

Daten

Bilddaten, Objekterkennung

Verhaltensdaten, Katalogbilder

Menschliche Rolle

Überwachung und Ausnahmebehandlung

Prüfung auffälliger Fälle

Kernfrage

Wie wird die Ware verarbeitet?

Ist die Rückgabe korrekt?


Was der Vergleich zeigt

Eine Retoure besteht aus zwei Schichten: der physischen Bewegung und der Entscheidung über den Artikel. Die erste lässt sich mit Robotik skalieren, wenn Volumen und Investition passen. Die zweite hängt an Daten über Zustand, Grund, Kundenhistorie und Bedarf. Diese zweite Schicht ist das Feld der Decision Intelligence: der Verbindung von Daten, Modellen und Entscheidungsregeln, um operative Entscheidungen systematisch zu unterstützen.

Für den Filialhandel beginnt intelligente Automatisierung nicht zwangsläufig mit einem Roboter, sondern mit der richtigen Information. Jede Filiale, die Retouren annimmt, muss entscheiden: zurück ins Regal, umlagern, sperren oder an den Lieferanten zurückgeben? Werden Artikelzustand und Retourengrund bereits bei der Rückgabe digital erfasst, entsteht eine Datengrundlage, die künftig sowohl KI-gestützte Entscheidungen als auch automatisierte Folgeprozesse unterstützen kann. Ob diese Prozesse später durch Software, Robotik oder eine Kombination aus beidem optimiert werden, hängt davon ab, wo Händler den größten Bedarf sehen.

Wo COSYS bereits ansetzt

Das Retourenmodul der COSYS Retail Management Software unterstützt die mobile Erfassung und Bearbeitung von Rückgaben direkt in der Filiale. Zustandsprüfung, Retourengrund und Fotodokumentation schaffen eine strukturierte Datengrundlage für nachfolgende Prozesse. Bei der KI-gestützten Schadensdokumentation gehen wir bereits einen Schritt weiter: Beschädigungen lassen sich anhand von Fotos erkennen, visuell markieren und beschreiben. Damit verfügen wir über einen wichtigen technologischen Baustein für die intelligente Zustandsbewertung.

Auch die physische Automatisierung gehört bereits zum COSYS Portfolio. Autonome Transportroboter und die dazugehörige Software ermöglichen digital gesteuerte Warenbewegungen in der Intralogistik. Transportaufträge können erstellt, an Roboter übergeben und ihre Ausführung dokumentiert werden.

Das Potenzial für das Retourenmanagement liegt in der künftigen Verbindung dieser Fähigkeiten: KI analysiert den Zustand einer Rückgabe, eine Entscheidungssoftware bewertet mögliche Verwertungswege und automatisierte Systeme unterstützen die anschließenden Warenbewegungen.

COSYS bringt die technologische Grundlage und Entwicklungskompetenz mit, um solche Szenarien gemeinsam mit Händlern zu gestalten. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob KI oder Robotik die Zukunft des Retourenmanagements prägen werden, sondern an welcher Stelle ihr Einsatz den größten wirtschaftlichen Nutzen schafft.