Wann lohnen sich Abholstationen im Retail?
Warum die Abholung heute nicht mehr nur ein Service, sondern ein operativer Prozess ist.
Click & Collect hat sich im Einzelhandel längst von einer Zusatzfunktion zu einem festen Bestandteil vieler Omnichannel-Strategien entwickelt. Kunden erwarten heute, Produkte online zu reservieren oder zu bestellen und diese flexibel abzuholen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Servicequalität.
2026-06-04Für Handelsunternehmen entsteht dadurch ein Spannungsfeld. Einerseits sollen Abholprozesse möglichst komfortabel wirken. Andererseits dürfen sie keine zusätzlichen Personalressourcen binden oder die Abläufe in den Filialen verlangsamen.
Genau an dieser Stelle rücken Abholstationen zunehmend in den Fokus.
Die eigentliche Frage lautet dabei nicht, ob Abholstationen modern wirken. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sie wirtschaftlich sinnvoll werden.
Warum klassische Abholprozesse häufig an ihre Grenzen stoßen
Viele Retailer haben Click & Collect zunächst pragmatisch eingeführt.
Bestellungen werden zusammengestellt, hinterlegt und anschließend am Servicepoint oder an der Kasse ausgegeben. Solange die Mengen gering bleiben, funktioniert dieses Modell meist zuverlässig.
Mit steigender Nutzung entstehen jedoch operative Nebeneffekte.
Mitarbeitende verlassen wiederholt ihre eigentlichen Aufgaben, um Bestellungen herauszugeben. Kunden warten auf Personal. Übergaben müssen dokumentiert werden. Stoßzeiten erzeugen zusätzliche Belastung an ohnehin stark frequentierten Bereichen. Besonders bei größeren Filialen oder hohem Abholvolumen entstehen daraus verdeckte Prozesskosten. Die eigentliche Herausforderung ist dabei nicht die Kommissionierung der Ware. Die Herausforderung beginnt zwischen Bereitstellung und Übergabe.
Ab wann Abholstationen wirtschaftlich interessant werden
Abholstationen lohnen sich selten wegen einzelner Bestellungen. Relevant werden sie dort, wo sich Übergaben wiederholen und Standardisierung möglich wird. Typischerweise betrifft das Handelsunternehmen mit mehreren Standorten, hohem Click & Collect Anteil oder Sortimenten mit regelmäßigem Abholgeschäft. Der wirtschaftliche Effekt entsteht durch die Entkopplung von Personal und Übergabezeit.
Kunden holen Bestellungen eigenständig ab, während Filialteams parallel andere Aufgaben bearbeiten können. Dadurch verändert sich die Produktivität nicht nur an der Ausgabe. Auch Serviceflächen, Personalsteuerung und Stoßzeiten werden entlastet. Gerade große Retailer kennen dieses Problem bereits aus anderen Bereichen wie Self Checkout oder digitalen Retourenprozessen.
Welche Prozesse sich durch Abholstationen tatsächlich verändern
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Abholstationen als reine Hardware zu betrachten. Tatsächlich verändern sie mehrere Prozessschritte gleichzeitig. Die Bestellung muss kommissioniert werden. Der Lagerort muss eindeutig sein. Kunden benötigen eine zuverlässige Benachrichtigung. Die Ausgabe muss dokumentiert werden. Dadurch verschiebt sich der Fokus weg von manueller Übergabe hin zu Prozesssteuerung. Gut integrierte Abholprozesse reduzieren Suchzeiten, vermeiden Rückfragen und verkürzen die Aufenthaltsdauer in der Filiale. Besonders interessant wird das für Händler mit hoher Frequenz oder begrenzten Servicekapazitäten. Denn jede vermiedene Übergabe spart nicht nur Zeit, sondern reduziert gleichzeitig Unterbrechungen im Tagesgeschäft.
Warum nicht jede Filiale automatisch von Abholstationen profitiert
Trotz des Trends sind Abholstationen kein Selbstzweck. Entscheidend ist die Struktur des Standorts. Filialen mit geringem Bestellaufkommen oder sehr beratungsintensivem Verkauf profitieren häufig weniger stark von automatisierten Abholprozessen. Anders sieht es bei Standorten aus, an denen Kunden schnelle Verfügbarkeit erwarten und Abholungen häufig außerhalb klassischer Stoßzeiten stattfinden. Elektronikhandel, Heimtierbedarf, Lebensmitteleinzelhandel oder größere Fachmärkte gehören deshalb häufig zu den interessantesten Einsatzfeldern.
Die zentrale Frage lautet nicht: Wie viele Bestellungen haben wir?
Sondern: Wie viel Aufwand erzeugt jede einzelne Übergabe?
Erst diese Betrachtung zeigt das tatsächliche Potenzial.
Welche Voraussetzungen für erfolgreiche Abholstationen erfüllt sein müssen
Die größte Fehlerquelle liegt selten in der Station selbst. Probleme entstehen meist durch fehlende Prozessintegration. Bestände müssen aktuell sein. Aufträge müssen eindeutig zugeordnet werden. Mitarbeitende benötigen klare Abläufe für Einlagerung und Bereitstellung. Besonders kritisch sind ungenaue Verfügbarkeiten. Wenn Ware zwar bestellt, aber nicht auffindbar ist, löst auch die beste Abholstation das Problem nicht. Deshalb beginnt ein erfolgreicher Abholprozess nicht bei der Ausgabe, sondern bereits bei Bestandsführung, Kommissionierung und Statussteuerung.
Fazit
Abholstationen lohnen sich im Einzelhandel nicht automatisch ab einer bestimmten Unternehmensgröße. Sie werden wirtschaftlich interessant, wenn Übergaben regelmäßig auftreten, Personal entlastet werden soll und Click & Collect nicht mehr als Zusatzservice, sondern als eigenständiger Prozess betrachtet wird. Der größte Nutzen entsteht dabei häufig nicht im Kundenerlebnis, sondern in der Entlastung der Filialorganisation und einer höheren Skalierbarkeit bestehender Abläufe.
Wer Click & Collect professionell skalieren möchte, sollte Abholstationen nicht isoliert betrachten. In Kombination mit der COSYS Click & Collect Software lassen sich Bestellungen, Bestandsdaten, Bereitstellung und Abholung in einem durchgängigen Prozess abbilden. Ergänzend ermöglichen COSYS Abholstationen eine strukturierte und nachvollziehbare Übergabe, ohne zusätzliche Belastung für Service- oder Kassenbereiche.
FAQ
Click & Collect beschreibt den Bestell- und Abholprozess. Eine Abholstation ist eine Möglichkeit, die Übergabe der Ware automatisiert oder teilautomatisiert abzuwickeln.
Ja. Je nach Konzept und Standort ermöglichen Abholstationen eine Warenübergabe unabhängig von Servicezeiten und erhöhen dadurch die Flexibilität für Kunden.
Besonders geeignet sind standardisierte Produkte mit planbaren Abholprozessen, beispielsweise Elektronik, Tierbedarf, Drogeriewaren oder vorverpackte Lebensmittelbestellungen.
Da Mitarbeitende weniger Zeit für die Ausgabe und Identifikation benötigen, entstehen Freiräume für Beratung, Warenverräumung oder weitere Filialprozesse.
Ja. Moderne Konzepte integrieren zunehmend Rückgabeprozesse, sodass nicht nur Abholungen, sondern auch Retouren strukturiert abgewickelt werden können.
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