Was ist parallele und mehrstufige Kommissionierung?
Die Kommissionierung gehört zu den wichtigsten Prozessen im Lager. Dabei werden Waren entsprechend eines Kundenauftrags zusammengestellt und für den Versand, die Produktion oder einen internen Bedarf bereitgestellt. Je nach Auftragsmenge, Lagerstruktur und Artikelvielfalt können unterschiedliche Kommissionierverfahren eingesetzt werden. Zwei interessante Ansätze sind die parallele Kommissionierung und die mehrstufige Kommissionierung.
Beide Verfahren verfolgen das Ziel, Kommissionierprozesse effizienter zu gestalten und Mitarbeiter gezielter einzusetzen. Sie unterscheiden sich jedoch darin, wie Aufträge aufgeteilt und bearbeitet werden. Während bei der parallelen Kommissionierung mehrere Mitarbeiter oder Bereiche gleichzeitig an einem Auftrag arbeiten, wird bei der mehrstufigen Kommissionierung der Prozess in mehrere aufeinanderfolgende Schritte beziehungsweise Ebenen aufgeteilt.
Was ist parallele Kommissionierung?
Bei der parallelen Kommissionierung wird ein Kundenauftrag auf mehrere Mitarbeiter, Lagerbereiche oder Kommissionierzonen verteilt. Die einzelnen Teilaufträge können zeitgleich bearbeitet werden. Jeder Mitarbeiter übernimmt dabei beispielsweise die Artikel aus einem bestimmten Lagerbereich.
Ein Beispiel: Ein Kundenauftrag enthält zehn verschiedene Artikel. Fünf Artikel befinden sich im Kleinteilelager, drei Artikel im Palettenlager und zwei Artikel im Ersatzteillager. Statt dass ein Mitarbeiter nacheinander alle drei Bereiche abläuft, werden die Auftragspositionen auf mehrere Kommissionierer verteilt. Die Mitarbeiter arbeiten gleichzeitig und stellen jeweils ihren Teil des Auftrags zusammen.
Anschließend werden die einzelnen Teilmengen wieder zu einem vollständigen Auftrag zusammengeführt. Dieser Vorgang wird häufig als Konsolidierung bezeichnet.
Der wesentliche Vorteil liegt in der Zeitersparnis. Mehrere Mitarbeiter können gleichzeitig tätig sein, wodurch sich lange Wege und Wartezeiten reduzieren lassen. Besonders bei großen Auftragsvolumen kann die parallele Kommissionierung deshalb sinnvoll sein.
Wie funktioniert parallele Kommissionierung?
Damit die parallele Kommissionierung funktioniert, muss ein Auftrag zunächst analysiert und sinnvoll aufgeteilt werden. Ein Lagerverwaltungssystem oder WMS kann beispielsweise erkennen, in welchen Lagerzonen sich die benötigten Artikel befinden.
Anschließend werden die entsprechenden Teilaufträge an die Mitarbeiter verteilt. Diese erhalten auf ihrem mobilen Endgerät die für ihren Bereich relevanten Positionen. Nach der Entnahme werden die Waren entweder direkt zu einer Konsolidierungsstation gebracht oder zunächst in einem Zwischenbereich gesammelt.
Dort werden die Teilaufträge wieder zusammengeführt. Je nach Prozess kann anschließend noch eine Kontrolle, Verpackung und Versandbereitstellung erfolgen.
Ein wichtiger Punkt ist dabei die eindeutige Zuordnung. Das System muss jederzeit wissen, welche Artikel und Mengen zu welchem Kundenauftrag gehören. Barcodes, Auftragsnummern, Behälter-IDs oder mobile Datenerfassung können dabei unterstützen.
Was ist mehrstufige Kommissionierung?
Bei der mehrstufigen Kommissionierung wird die Auftragsbearbeitung in mehrere aufeinanderfolgende Stufen aufgeteilt. Die einzelnen Stufen können unterschiedliche Aufgaben oder organisatorische Ebenen abbilden.
Ein typisches Beispiel ist die Kombination aus einer groben und einer auftragsbezogenen Kommissionierung. Zunächst werden Artikel für mehrere Kundenaufträge gemeinsam aus dem Lager entnommen. Anschließend werden die entnommenen Mengen auf die einzelnen Kundenaufträge verteilt.
Dieses Prinzip kann beispielsweise bei vielen kleinen Aufträgen interessant sein. Statt jeden Auftrag einzeln abzuarbeiten, werden häufig benötigte Artikel zunächst gesammelt kommissioniert. Danach erfolgt die Zuordnung zu den jeweiligen Aufträgen.
Die mehrstufige Kommissionierung kann auch mehrere Lagerbereiche miteinander verbinden. So können Waren beispielsweise zunächst aus verschiedenen Zonen bereitgestellt, anschließend konsolidiert und danach auf einzelne Versandaufträge verteilt werden.
Unterschied zwischen paralleler und mehrstufiger Kommissionierung
Der wichtigste Unterschied liegt in der zeitlichen und organisatorischen Struktur.
Bei der parallelen Kommissionierung werden mehrere Teilaufgaben möglichst gleichzeitig durchgeführt. Der Auftrag wird beispielsweise auf verschiedene Mitarbeiter oder Lagerzonen verteilt.
Bei der mehrstufigen Kommissionierung wird der Prozess dagegen in mehrere Schritte aufgeteilt, die teilweise nacheinander erfolgen. Eine Stufe kann beispielsweise die Grobkommissionierung übernehmen, während eine zweite Stufe die Feinkommissionierung und Auftragszuordnung durchführt.
Beide Verfahren können allerdings miteinander kombiniert werden. Ein Unternehmen kann beispielsweise einen Auftrag zunächst parallel auf mehrere Lagerzonen verteilen und innerhalb der einzelnen Zonen anschließend mehrstufig kommissionieren.
Welche Vorteile bietet die parallele Kommissionierung?
Ein wesentlicher Vorteil ist die gleichzeitige Bearbeitung von Auftragspositionen. Dadurch können Kommissionierzeiten reduziert werden. Mitarbeiter müssen außerdem nicht zwangsläufig das gesamte Lager durchqueren.
Die Aufteilung nach Lagerzonen kann zusätzlich dazu beitragen, Mitarbeiter gezielt einzusetzen. Ein Mitarbeiter arbeitet beispielsweise dauerhaft im Kleinteilebereich, während ein anderer für Palettenware zuständig ist.
Auch bei großen Auftragsmengen kann die parallele Kommissionierung Vorteile bieten. Wenn viele Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden müssen, lassen sich die verfügbaren Mitarbeiter auf unterschiedliche Bereiche verteilen.
Allerdings entsteht durch die Aufteilung ein zusätzlicher Koordinationsaufwand. Die einzelnen Teilaufträge müssen am Ende korrekt zusammengeführt werden. Ohne eine geeignete digitale Unterstützung kann schnell der Überblick verloren gehen.
Welche Vorteile bietet die mehrstufige Kommissionierung?
Die mehrstufige Kommissionierung eignet sich insbesondere für Prozesse, bei denen eine direkte Einzelauftragskommissionierung ineffizient wäre.
Ein Beispiel ist ein Versandlager mit sehr vielen kleinen Kundenaufträgen. Statt für jeden Auftrag einzeln durch das Lager zu laufen, können Artikel zunächst auftragsübergreifend gesammelt werden. In einem zweiten Schritt werden die Artikel den jeweiligen Kundenaufträgen zugeordnet.
Dadurch lassen sich Laufwege reduzieren und häufig benötigte Artikel effizienter bearbeiten. Gleichzeitig kann der Prozess klar in verschiedene Aufgabenbereiche aufgeteilt werden.
Eine Herausforderung besteht darin, dass zwischen den einzelnen Stufen eine zuverlässige Übergabe notwendig ist. Mengen, Artikel und Aufträge müssen eindeutig identifizierbar bleiben.
Wie unterstützt ein WMS die Kommissionierung?
Ein modernes Warehouse Management System kann beide Kommissionierverfahren digital unterstützen. Das WMS verwaltet die Aufträge, Artikel, Mengen und Lagerplätze und kann daraus entsprechende Kommissionieraufträge beziehungsweise Teilaufträge erzeugen.
Bei der parallelen Kommissionierung kann das System beispielsweise einen Auftrag automatisch auf verschiedene Lagerzonen aufteilen. Die Mitarbeiter erhalten anschließend nur die Positionen, die in ihrem jeweiligen Bereich benötigt werden.
Bei einer mehrstufigen Kommissionierung kann das WMS dagegen die einzelnen Prozessschritte abbilden. Nach einer ersten Kommissionierstufe werden die Waren beispielsweise an eine Übergabe- oder Konsolidierungsstation weitergeleitet. Dort können sie einem konkreten Kundenauftrag zugeordnet werden.
Mobile Datenerfassung per Smartphone oder MDE-Gerät sorgt dabei für eine direkte Rückmeldung an das System. Jeder Scan kann bestätigen, welcher Artikel entnommen wurde und welche Menge tatsächlich kommissioniert worden ist.
Praxisbeispiel
Ein Onlinehändler bearbeitet täglich mehrere hundert Kundenaufträge. Die Artikel liegen in verschiedenen Lagerzonen. Ein einzelner Auftrag kann sowohl Kleinteile als auch größere Artikel enthalten.
Das WMS teilt die Aufträge zunächst auf die entsprechenden Lagerbereiche auf. Mehrere Mitarbeiter kommissionieren dadurch gleichzeitig in ihren jeweiligen Zonen. Die Waren werden anschließend an einer Konsolidierungsstation zusammengeführt.
Zusätzlich kann das Unternehmen eine mehrstufige Strategie einsetzen. Häufig benötigte Kleinteile werden zunächst auftragsübergreifend gesammelt. In einer zweiten Stufe werden diese Artikel den einzelnen Kundenaufträgen zugeordnet und anschließend verpackt.
So lassen sich parallele und mehrstufige Prozesse miteinander verbinden.
Parallele und mehrstufige Kommissionierung mit COSYS
Die COSYS Lagerverwaltung unterstützt Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Kommissionierprozesse. Kommissionieraufträge können zentral verwaltet und Mitarbeitern über mobile Endgeräte bereitgestellt werden. Artikel, Mengen und Lagerplätze werden per Barcode erfasst und direkt im System verbucht.
Dadurch lassen sich auch aufgeteilte Kommissionierprozesse nachvollziehbar gestalten. Teilaufträge können verschiedenen Mitarbeitern oder Lagerbereichen zugeordnet und anschließend wieder zusammengeführt werden. Über den COSYS WebDesk stehen zusätzlich Informationen zu Aufträgen, Beständen, Lagerplätzen und Prozessdaten zur Verfügung.
So entsteht eine durchgängige digitale Verbindung zwischen Auftrag, Kommissionierung und Lagerbestand &ndash unabhängig davon, ob ein Unternehmen parallel, mehrstufig oder eine Kombination aus beiden Verfahren einsetzt.
Mit der COSYS Lagerverwaltung steuern Sie Kommissionieraufträge digital und unterstützen parallele sowie mehrstufige Prozesse. Mitarbeiter erhalten ihre Aufgaben direkt auf dem Smartphone oder MDE-Gerät und bestätigen Entnahmen per Scan.
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