Wie funktioniert eine Lagerreorganisation?
Eine Lagerreorganisation bezeichnet die systematische Neugestaltung und Optimierung bestehender Lagerstrukturen. Ziel ist es, Lagerplätze, Warenbestände, Prozesse und Arbeitsabläufe so aufeinander abzustimmen, dass das Lager effizienter, übersichtlicher und wirtschaftlicher betrieben werden kann. Eine Reorganisation kann notwendig werden, wenn das Sortiment wächst, sich Artikelumschlag und Bestellverhalten verändern oder bestehende Lagerstrukturen nicht mehr zu den aktuellen Anforderungen passen. Auch steigende Fehlerquoten, lange Such- und Wegezeiten oder ungenutzte Lagerflächen können Anlass für eine Neuorganisation sein.
Warum ist eine Lagerreorganisation sinnvoll?
Mit der Zeit verändern sich die Anforderungen an ein Lager. Artikel mit ursprünglich geringer Nachfrage können plötzlich zu Schnelldrehern werden, während andere Produkte deutlich seltener benötigt werden. Werden solche Veränderungen nicht berücksichtigt, entstehen ungünstige Lagerplatzbelegungen. Häufig liegen stark nachgefragte Artikel weit entfernt von Kommissionier- oder Versandbereichen, während selten benötigte Waren wertvolle, gut erreichbare Lagerplätze blockieren.
Eine Lagerreorganisation schafft die Möglichkeit, solche Strukturen zu überprüfen und gezielt anzupassen. Dabei geht es nicht nur darum, Waren neu zu sortieren. Vielmehr werden Lagerplätze, Artikel, Bestandsmengen und Prozesse ganzheitlich betrachtet. Das kann dazu beitragen, Laufwege zu verkürzen, die Flächennutzung zu verbessern und die Kommissionierung effizienter zu gestalten.
Bestandsaufnahme als erster Schritt
Am Anfang einer Lagerreorganisation steht eine detaillierte Bestandsaufnahme. Zunächst wird analysiert, welche Artikel vorhanden sind, wie viele Lagerplätze genutzt werden und wie die Waren aktuell verteilt sind. Ebenso wichtig sind Informationen über Artikelbewegungen, Umschlagshäufigkeit, Lagerdauer und Zugriffshäufigkeit.
Auch die bestehenden Arbeitsabläufe sollten untersucht werden. Dabei können beispielsweise folgende Fragen gestellt werden: Wie lange benötigen Mitarbeiter für die Kommissionierung? Welche Artikel werden besonders häufig gesucht? Wo entstehen unnötige Laufwege? Gibt es häufige Fehlbuchungen oder Bestandsabweichungen? Welche Lagerbereiche sind dauerhaft überfüllt und welche werden nur teilweise genutzt?
Eine digitale Lagerverwaltung kann bei dieser Analyse unterstützen, da Bewegungs- und Bestandsdaten zentral erfasst und ausgewertet werden können.
Lagerplätze und Artikel neu zuordnen
Auf Grundlage der Analyse kann die eigentliche Neuorganisation beginnen. Ein wichtiger Bestandteil ist die Zuordnung der Artikel zu geeigneten Lagerplätzen. Dabei können beispielsweise Umschlagshäufigkeit, Artikelgröße, Gewicht, Zugriffshäufigkeit und Lagerbedingungen berücksichtigt werden.
Schnelldreher sollten möglichst so positioniert werden, dass sie schnell und ohne unnötig lange Wege erreichbar sind. Langsam drehende Artikel können dagegen weiter entfernte oder weniger gut zugängliche Lagerplätze belegen. Schwere Waren sollten aus ergonomischen und sicherheitstechnischen Gründen entsprechend ihrer Eigenschaften gelagert werden.
Je nach Lagerstruktur kann außerdem entschieden werden, ob feste oder dynamische Lagerplätze sinnvoller sind. Bei einer festen Lagerplatzverwaltung besitzt jeder Artikel einen definierten Lagerplatz. Bei einer dynamischen Lagerung kann das System freie geeignete Lagerplätze anhand verschiedener Kriterien vorschlagen.
Lagerbereiche sinnvoll strukturieren
Neben der Artikelplatzierung spielt auch die Aufteilung des gesamten Lagers eine wichtige Rolle. Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Verpackung und Versand sollten möglichst so angeordnet sein, dass die Waren einen effizienten Weg durch das Lager zurücklegen.
Dabei können beispielsweise häufig genutzte Bereiche näher aneinandergelegt oder bestimmte Artikelgruppen räumlich zusammengeführt werden. Gleichzeitig müssen Sicherheitsvorschriften, Fluchtwege, Brandschutz und ergonomische Anforderungen berücksichtigt werden.
Auch saisonale Schwankungen können bei einer Reorganisation einbezogen werden. Artikel mit stark schwankendem Bedarf können beispielsweise flexibel auf geeignete Lagerplätze verteilt werden, sodass die verfügbare Fläche besser genutzt wird.
ABC-Analyse als Grundlage
Eine häufig eingesetzte Methode bei der Lagerreorganisation ist die ABC-Analyse. Dabei werden Artikel nach ihrer Bedeutung beziehungsweise ihrem Wert oder ihrer Umschlagshäufigkeit klassifiziert. A-Artikel haben beispielsweise eine hohe Bedeutung und sollten entsprechend gut zugänglich gelagert werden. B-Artikel liegen im mittleren Bereich, während C-Artikel eine geringere Umschlagshäufigkeit aufweisen.
Die ABC-Analyse kann mit weiteren Kriterien kombiniert werden. Eine XYZ-Analyse betrachtet beispielsweise die Verbrauchsschwankungen eines Artikels. Durch die Kombination verschiedener Analysen lässt sich die Lagerplatzvergabe noch genauer auf das tatsächliche Bewegungsverhalten der Waren abstimmen.
Bestände überprüfen und bereinigen
Eine Lagerreorganisation ist außerdem eine gute Gelegenheit, die vorhandenen Bestände zu überprüfen. Überbestände, veraltete Artikel oder Waren ohne ausreichende Bewegung können identifiziert werden. Dadurch lässt sich feststellen, welche Bestände tatsächlich benötigt werden und welche Lagerflächen unnötig beansprucht werden.
Auch Mindest-, Melde- und Höchstbestände sollten überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Werden diese Werte an den tatsächlichen Verbrauch angepasst, kann die Gefahr von Überbeständen und gleichzeitig von Fehlbeständen reduziert werden.
Digitale Unterstützung bei der Lagerreorganisation
Eine Lagerverwaltungssoftware kann die Reorganisation eines Lagers erheblich unterstützen. Bestände, Artikelinformationen und Lagerplätze werden zentral verwaltet und können über mobile Geräte direkt im Lager erfasst werden. Mitarbeiter können beispielsweise Artikel und Lagerplätze per Barcode scannen und dadurch sicherstellen, dass Waren am richtigen Platz eingelagert oder ausgelagert werden.
Auch Umlagerungen lassen sich digital dokumentieren. Wird ein Artikel an einen neuen Lagerplatz verschoben, kann die Lagerplatzänderung direkt im System erfasst werden. Dadurch bleibt der aktuelle Bestand nachvollziehbar und Mitarbeiter können den neuen Lagerplatz jederzeit über die digitale Lagerverwaltung abrufen.
Auswertungen zu Bestandsverläufen, Artikelbewegungen oder häufig genutzten Lagerplätzen können zusätzlich dabei helfen, Optimierungspotenziale zu erkennen. So basiert die Reorganisation nicht ausschließlich auf Erfahrungswerten, sondern kann durch tatsächliche Prozessdaten unterstützt werden.
Umsetzung und Kontrolle
Nach der Planung wird die neue Lagerstruktur schrittweise umgesetzt. Je nach Größe des Lagers kann eine komplette Umstellung an einem bestimmten Termin oder eine schrittweise Reorganisation einzelner Bereiche sinnvoll sein. Wichtig ist, alle Lagerplätze und Bestandsänderungen sauber zu dokumentieren.
Nach der Umstellung sollte geprüft werden, ob die gewünschten Verbesserungen tatsächlich erreicht wurden. Dazu können beispielsweise Kommissionierzeiten, Laufwege, Fehlbuchungen, Bestandsabweichungen oder die Auslastung der Lagerflächen betrachtet werden.
Eine Lagerreorganisation ist daher kein einmaliges Projekt. Lagerstrukturen sollten regelmäßig überprüft werden, da sich Sortiment, Nachfrage und Geschäftsprozesse kontinuierlich verändern. Eine kontinuierliche Analyse hilft dabei, frühzeitig auf solche Veränderungen zu reagieren.
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